Fehler Nummer 3: Hybris im Hype


Wir wissen es alle: Hochmut kommt vor dem Fall. Leider erkennen wir Hochmut in uns selbst so schlecht. Die Reiche dieser Welt zerbrechen hauptsächlich an Überschätzung. Oder, wenn wir es einmal umdrehen und von der anderen Seite her sehen, an Unterschätzung des Neuen, des Feinds oder des Wettbewerbs. Das Neue ist seltsam (Gründung von Yahoo) oder wir glauben nicht, dass wir es wollen (Internetbanking). Die Qualität des Neuen ist am Anfang elend (erste Digitalbilder) oder es lässt sich schwer damit arbeiten (Batterien der Laptops und Digicams sind immer gleich leer). Deshalb wird das Neue sehr oft verachtet.
Ich will Ihnen einen immer wieder zu beobachtenden Mechanismus aufzeigen, wie das Neue kommt, verachtet wird und wie es anschließend das noch hochmütig lachende Alte einfach beerdigt.
Die Gartner Group ist weltbekannt für ihre Analysen der Neuheiten in der Informations- und Kommunikationstechnik. Das Börsenkürzel für Gartner an der New Yorker Börse ist deshalb auch schlicht »IT«. Gartner gibt regelmäßig für alle neuen Technologien an, wie weit sie schon auf der Hype Curve sind. Die zeige ich Ihnen in der folgenden Abbildung. Alles ist in Englisch – ich habe die Kurve noch nie wirklich in Deutsch gesehen –, die Kurve lernt jeder in der IT Tätige wie mit der Muttermilch kennen, und zwar genau wie nachstehend.
Die Gartner-Hype-Kurve
Die Kurve betrachtet den Hype (»Medienrummel«, to hype up bedeutet auch »sich einen Schuss Rauschgift setzen«) über die Zeit. Am Anfang hat jemand eine neue technologische Idee (»Technology Trigger«). Am Markt kommt Gemurmel auf, ob sich da nicht ein ganz großes Geschäft am Horizont abzeichne. Da steigt sofort die Aufmerksamkeit der Presse, der Hype steigt rasant an. Alle überschlagen sich vor Begeisterung. Das liegt oft an den Presseleuten, die sehr froh sind, endlich einmal über etwas Neues schreiben zu können. Sie stürzen sich auf das Neue und treiben den Hype nach oben. Dadurch werden die Leser und Hörer ganz neugierig – alle wollen mehr darüber wissen! Nun schreiben sich die Redakteure und Blogger die Finger wund. Der Hype erreicht eine Spitze: »The Peak of inflated Expectation«, die Spitze einer aufgeblasenen Erwartung.
Jetzt wollen die Leser aber einmal das Neue wirklich sehen. Ist es wirklich so toll? Das neue Navi? Das neue iPhone? Die ersten Leute probieren es aus und mäkeln herum. Das Navi merkt im Fußgängermodus nicht, dass ich mich im Zentrum der Stadt umdrehe, sagt immer noch »geradeaus« und ich bin verwirrt. Das GPS findet den Satelliten erst nach 10 Minuten, das ist aber gerade die Zeitspanne, in der ich mich nicht auskenne, wenn ich aus dem fremden Innenstadtparkhaus zurück nach Hause fahre. Das neue Handy hat eine schlechte Antenne für das Internet. »Ah«, sagen wir, »die Idee ist nicht schlecht, aber es passt nicht zu uns und lässt sich schlecht verwenden. Wir kaufen es nicht, es ist viel zu teuer. Wir warten, bis es funktioniert und viel billiger ist. Außerdem warten wir, bis es viele andere haben, die fragen wir dann.«

Quelle: http://www.amazon.de/AUFBRECHEN-Warum-Exzellenzgesellschaft-werden-m%C3%BCssen/dp/3821865148

admin